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Volkstrauertag 2020

Autor: Frau Hagemann
Artikel vom 12.11.2020

Volkstrauertag 2020

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
leider können wir auch den Volkstrauertag in diesem Jahr aufgrund der Einschränkungen im Hinblick auf die Corona-Pandemie nicht in gewohnter Weise mit den vertrauten Gedenkfeiern beim Friedenskreuz und beim Ehrenmal für die Gefallenen auf dem Friedhof begehen. Es ist mir jedoch wichtig, dass wir uns mit den nachfolgenden Gedanken an das erinnern, was vor 75 Jahren endete.

Im 75. Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gedenken wir der Vergangenheit anders: Rückblickend haben fast alle Gedenkfeiern, wie der Staatsakt am 8. Mai in Berlin oder die Erinnerung an Unrecht und Leid in den Konzentrationslagern, noch oder nur im Kleinen stattgefunden. Alle Gedenkfeiern am Volkstrauertag müssen entfallen.

Das Kriegsende im Mai 1945 ist für uns Deutsche und Europäer vor allem ein mit der Hoffnung auf Frieden verbundener Tag der Befreiung. Der Volkstrauertag lenkt unseren Blick auf die vielen Opfer und harten Entbehrungen des Krieges. Zugleich bedrängt uns die globale Pandemie-Erfahrung, die uns vor Augen führt, dass innerer und äußerer Friede noch immer nicht selbstverständlich sind. In Europa haben wir nach 1945 – Gott sei Dank! – zu einem friedlichen Miteinander gefunden. Doch ein Blick auf die derzeitige Lage in der EU und der Welt erweckt nicht den Eindruck friedlicher Zeiten.

Die humanitären Auswirkungen kriegerischer Konflikte und die Schicksale der Schutzsuchenden, die über das Mittelmeer fliehen, zeichnen ein anderes Bild. Bei aller positiven Kraft zu einem vertieften Miteinander droht die Pandemie diese Entwicklung wie ein Katalysator zu verschärfen: Landesgrenzen werden geschlossen und der Krisenzustand wird von Einzelnen offenbar genutzt, um ihre Macht zu sichern und demokratische Grundlagen auszuhebeln. Im geeinigten Europa darf sich der innere Friede nicht durch Uneinigkeit zu einem rein äußerlichen „Vertragsfrieden“ wandeln. Wir müssen aus der Geschichte lernen und brauchen auch in der Zukunft in Europa eine Kultur des Dialogs und des gegenseitigen Respekts. In der Gesellschaft schwinden der Respekt vor dem Nächsten und das Bewusstsein für den Wert des Friedens: Hassreden nehmen vor allem im digitalen Raum zu.

 

75 Jahre Volkstrauertag, seine Geschichte:

Der Volkstrauertag wurde auf Vorschlag des 1919 gegründeten Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt. Dieser Tag sollte ein Zeichen der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen sein.

1922 fand die erste offizielle Feierstunde im Deutschen Reichstag in Berlin statt. Dabei rief Reichstagspräsident Paul Löbe eindringlich zur „Abkehr vom Hass“ auf und warb für Versöhnung und Verständigung. Ein Komitee, dem von den großen Glaubensgemeinschaften bis zum jüdischen Frauenbund viele verschiedene Verbände angehörten, erreichte unter Federführung des Volksbundes, dass der Volkstrauertag in den meisten Ländern des Deutschen Reiches gemeinsam begangen wurde: am Sonntag Reminiscere, dem fünften Sonntag vor Ostern.

 

In der Weimarer Zeit jedoch verlor die Trauer um die Gefallenen ihre gesellschaftlich verbindende Wirkung. Dies lag an der umstrittenen Deutung des Ersten Weltkrieges. Die politischen Kräfte, die am Volkstrauertag vermehrt des Kampfes und Leids der deutschen Soldaten gedachten und ihre heroischen Taten den nächsten Generationen zur Nachahmung empfohlen, wurden immer stärker.

Nach ihrer Machtübernahme schrieb die nationalsozialistische Regierung diese Deutung 1934 gesetzlich fest: Der Volkstrauertag wurde auf den 16. März gelegt und zum staatlichen „Heldengedenktag“. Er sollte alle Deutschen in der Trauer vereinen. Aber alle, die aus politischen oder sogenannten rassischen Gründen nicht zur „NS-Volksgemeinschaft“ zählten, wurden aus dem Gedenken verbannt wie beispielsweise die gefallenen jüdischen Weltkriegssoldaten.

Für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs wurde die Wehrmacht zuständig. Der Heldengedenktag wurde bis 1945 von der Wehrmacht und der NSDAP ausgerichtet. Die Richtlinien über Inhalt und Ausführung erließ der Reichspropagandaminister.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag in Westdeutschland auf Betreiben des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1952 wieder als Tag der „nationalen Trauer“ eingeführt, in deutlicher Abgrenzung zum nationalsozialistischen Heldengedenken. Er ist durch Landesgesetze geschützt und liegt auf dem Sonntag zwei Wochen vor dem ersten Advent. Seit 1945 wird am Volkstrauertag auch der zivilen Opfer des Krieges gedacht. So treten neben die toten Soldaten auch Frauen, Kinder und Männer, die in den besetzten Ländern und in Deutschland zu Opfern von Krieg, Gewalt und NS-Verfolgung wurden. Von Anfang an riefen die Bundespräsidenten dazu auf, auch an die Opfer der Diktatur zu erinnern, an Menschen, die aus politischen, religiösen oder sogenannten rassischen Gründen verfolgt worden waren.

Heute wird am Volkstrauertag an die Opfer von Krieg und Gewalt erinnert und gleichzeitig zur Versöhnung, Verständigung und Frieden gemahnt. 2018 stand das Gedenken an den Ausgang des Ersten Weltkriegs, 2019 an den Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall auf Polen im Mittelpunkt. Der diesjährige Volkstrauertag steht im Zeichen des Kriegsendes vor 75 Jahren wie auch der darauffolgenden Wandlungsgeschichte vom Kalten Krieg und Eisernen Vorhang hin zu einem friedlichen und vereinten Europa.

 

Gedenken:

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren.

Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt gegen Fremde und Schwache Opfer geworden sind. Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.

Mit diesen Gedanken grüßt Sie

Ihr
Ralf Pahlow
Bürgermeister